Arbeiterhäuser

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Die Häusergruppe Langbau, Kurzbau und Gelbbau ist das früheste Schweizer Beispiel für Arbeiterwohnungsbau in der Textilindustrie. Sie waren Heim- und zum Teil auch Arbeitsplatz für die in der Gonzenbachschen Manufaktur beschäftigten Menschen.

Als die Gebrüder Hans Jakob und Bartholomae Gonzenbach sich für den Umzug aus ihrer Bürgerstadt St. Gallen nach Hauptwil entschlossen, fehlte es nicht nur an Produktionsbauten, sondern auch an den nötigen Arbeitskräften. Um diese nach Hauptwil zu bringen erstellten sie um das Jahr 1670 den "Langbau", wohl das früheste erhaltene Schweizer Arbeiterhaus überhaupt. Darin waren 8 bis 10 Wohnungen mit je vier Räumen und zusätzlich nutzbaren Keller- und Dachgeschossen untergebracht. Es liegt nahe, dass in diesen Häusern, sowohl gewohnt, als auch gearbeitet wurde.

 Langbau, Vorderansicht (Nr. 12)Langbau, Rückseite (Nr. 12)

Langbau, Vorderansicht (Nr. 12)                                                                             Langbau, Rückseite (Nr. 12)

 

Was in den Städten des 17. Jahrhunderts die Norm bildete, war für ein Dorf wie Hauptwil völlig aussergewöhnlich: Die Konzentration von Arbeitsmitteln und Lohnarbeitskräften an einem Ort. Wohl der grösste Teil der Arbeiter lebte ausschliesslich von der Lohnarbeit in den gonzenbachschen Manufakturbetrieben (Bleichen, Walken, Mangen, Färberei etc.). Die schmalen Gartenparzellen erlaubten eine Bereicherung des Speisezettels.

Damit der ohnehin knappe Wohnraum von 48 m2 pro Wohnung nicht noch durch Treppen und Aborte verkleinert wurde, brachte man diese auf der nördlichen Aussenseite an. Gerade diese ungewöhnliche Lösung macht den Charme dieses vorindustriellen "Reihenhauses" aus.

Langbau (Nr. 12): Nach aussen verlegte Treppenaufgänge

Langbau (Nr. 12): Nach aussen verlegte Treppenaufgänge

 

Dieser schmuck renovierte, barocke Riegelbau lässt seine ursprüngliche Zweckbestimmung nur schwer erahnen. Der um 1780 errichtete "Gelbbau" gehört mit dem "Kurzbau" zur zweiten Generation der Hauptwiler Arbeiterhäuser. Als Bauherr kommt einzige Anton Gonzenbach im "Kaufhaus" in Frage, dessen Leinwandgeschäft als einziges noch bis anfangs des 19. Jahrhunderts florierte. Jedenfalls taucht er 1808 in den Brandversicherungskatastern als Besitzer des damals als "Indiennefabrik" (Stoffdruckerei) genutzten Gebäudes auf. Im Verlaufe des 19. Jahrhunderts gelangte der Gelbbau in den Besitz der Familie Brunnschweiler, so dass darin fortan wohl Arbeiter der Rotfarb ein bescheidenes zu Hause fanden.

Gelbhaus (Nr.11)Dorfplatz Hauptwil

Gelbhaus (Nr. 11)