Untere Rotfarb

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Die Familie Brunnschweiler brachte Hauptwil im 19. und 20. Jahrhundert durch ihre Färbertätigkeit eine kleine industrielle Revolution. Im Zuge dieser Entwicklung wurde die Wasserkraftnutzung durch wasserbauliche Anlagen entscheidend erweitert.


Der gute Geschäftsgang wie auch das platzintensive Färbeverfahren der Türkischrotfärberei machten den Umzug in die 1856 von Johann Jakob Brunnschweiler (1806-1869) errichtete "Untere Rotfarb" notwendig - auch dieser Fabrikbau entstand in der von den Brunnschweilern häufig angewandten Lehmbautechnik. In der dritten Generation vergrösserte Emanuel Brunnschweiler (1840-1891) dieselbe ab 1869 mehrmals. 1868 gelang es der noch jungen Farbenchemie nach langen vergeblichen Versuchen den in der Krappwurzel enthaltenen roten Farbstoff Alizarin synthetisch herzustellen. Bereits 1873 erfolgte die Umstellung auf künstliche Farbstoffe auch in der Färberei Brunnschweiler. Die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts brachte mit dem Verlust der Exportmärkte im Fernen Osten eine Umorientierung auf den Schweizer Binnenmarkt, was letztlich mit der Schliessung im Jahre 1984 endete.

 Untere Rotfarb

Untere Rotfarb

 

Auch im 19. und 20. Jahrhundert war es üblich, die Arbeitskräfte nahe der Fabrik unterzubringen - so auch in Hauptwil. Der 1735 als Walke erbaute, hochgeschossige Riegelbau diente dem aus Erlen stammenden Johann Joachim Brunnschweiler (1759-1830) ab 1787 als erste Bleibe für seine nach Hauptwil verlegte Blaufärberei. Schon bald darauf wurde der "Spittel" als Arbeiterwohnhaus genutzt. Unweit davon liegt der vor 1871 für die Färbereiarbeiter eigens erstellte "Sonnenbühl" - auch dieser in der billigen und sehr haltbaren Lehmbautechnik erstellt.

Haus zum SpittelStandort Rotfarb

Haus zum Spittel

 

Bei Kellersanierungsarbeiten kam 1996 unverhoffterweise ein Teilstück des alten Dorfkanals zum Vorschein. Das Wasser, das darin durch das Dorf geleitet wurde war es, welches die Industriebetriebe in Hauptwil bis ins 20. Jahrhundert am Laufen erhielt. Auf seinem Weg vom Hauptwiler Weiher bis zum Sornbach versorgte es einmal die zu den Arbeiterhäusern "Langbau" und "Kurzbau" gehörenden Waschhäuschen aus dem 17. und 18. Jahrhundert und gleich anschliessend die 1437 erstmals belegte Dorfmühle mit Energie. Nach einer ersten Überquerung des Dorfbaches trieb es ein Wasserrad in der sogenannten "Alten Seidenweberei" an, um nach einer zweiten Überquerung des Baches die 1735 erbaute Untere Walke (später Spittel genannt) in Gang zu halten. Auch die "Untere Rotfarb" nutzte das Wasser als Energiequelle.

Ehemaliger Kanal im Keller des Haus zum Spittel

Ehemaliger Kanal im Keller des Haus zum Spittel